Anteilsveräusserung gegen Ratenzahlung

Die Veräusserung einer wesentlichen Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft führt bei dem Gesellschafter zu gewerblichen Einkünften, die steuerlich nach dem sog. Soll-Prinzip erfasst werden. Dies bedeutet: der Veräusserungsgewinn wird im Jahr der Veräusserung in voller Höhe besteuert. Ob und wann der Kaufpreis gezahlt wird, spielt dann keine Rolle. Dies kann beim Verkäufer zu finanziellen Härten führen, denn das Finanzamt erfasst sofort auch die noch nicht bezahlten Gewinn-Anteile.

Der Bundesfinanzhof lässt in seinem Urteil vom 20.7.2010 für langfristig wiederkehrende Bezüge eine Zuflussbesteuerung dann zu, wenn die Bezüge mit einem Wagnis behaftet sind, z.B. durch Koppelung an das Leben einer Person oder wenn die Bezüge hauptsächlich aus dem Interesse des Verkäufers heraus festgelegt sind, seine Versorgung in Gestalt einer Leibrente zu sichern. Ausserdem muss in der Regel ein Zeitraum von mehr als zehn Jahren vereinbart werden.

Bei der Besteuerung nach dem Zuflussprinzip werden die Ratenzahlungen in einen Zins- und Tilgungsanteil aufgeteilt. Letztere sind beim Empfänger erst dann als nachträgliche Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu versteuern, wenn ihre Summe die Anschaffungskosten der veräusserten Beteiligung übersteigt. Die Zinsanteile sind ab der ersten Zahlung als Einkünfte aus Kapitalvermögen bzw. als wiederkehrende Einnahmen zu versteuern.

Die dargestellten Grundsätze gelten auch im Falle der Veräusserung eines Einzelunternehmens bzw. des Anteils an einer Personengesellschaft. Auf diese Weise lässt sich in geeigneten Fällen eine interessante Stundung der Einkommensteuer erreichen.

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